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Künstliche Intelligenz in
Steuerung und Bauüberwachung

KI-Verfahren werten aus, was im Projekt ohnehin entsteht: Terminpläne und Kostenstände, Fotos und Laserscans der Baustelle, Verträge und Protokolle. Sie liefern Prognosen und markieren Auffälligkeiten. Prüfen und entscheiden müssen weiter die Personen, die der Vertrag oder die Landesbauordnung dafür vorsieht.

Begriff

Was mit KI im Bauprojekt gemeint ist

Gemeint sind Verfahren, die aus Daten lernen. Im Bauprojekt sind es vor allem drei Gruppen. Prognosemodelle lernen aus abgeschlossenen Projekten, wie Nutzung, Größe, Vergabeform und Ort mit Projektdauer und Kostenabweichung zusammenhängen. Bilderkennung findet Bauteile und sichtbare Mängel in Fotos und Drohnenaufnahmen, verwandte Verfahren ordnen die Messpunkte eines Laserscans Bauteilen zu oder lesen Rechnungen aus. Sprachmodelle durchsuchen Verträge und Protokolle nach Fundstellen und schreiben Entwürfe, auch aus diktierten Notizen.

Die Kollisionsprüfung im Bauwerksmodell (BIM) zählt nicht dazu. Sie prüft fest definierte Regeln, etwa ob eine Leitung eine Decke ohne Aussparung kreuzt, und liefert für dasselbe Modell immer dasselbe Ergebnis. Am Markt sind inzwischen auch Verfahren, die Planunterlagen mit gelernten Mustern auf Lücken und Widersprüche zwischen den Fachplanungen prüfen. Wie viele Fehler sie finden und wie viele sie übersehen, ist bisher kaum unabhängig untersucht.

Nach der ifo-Konjunkturumfrage vom Mai 2026 setzen 39,8 % der Unternehmen im Bauhauptgewerbe KI ein, drei Jahre zuvor waren es 7,1 %. Wie viel Zeit oder Geld das in deutschen Bauprojekten spart, ist selten unabhängig gemessen.

Ablauf

Vom Datensatz zur Entscheidung

Die Verfahren liefern Hinweise. Was davon in den Terminplan, den Kostenstand oder die Mängelliste eingeht, prüft vorher ein Mensch.

  1. 01

    Daten

    Terminplan, Kostenstand, Fotos und Scans der Baustelle, Verträge und Protokolle.

  2. 02

    Auswertung

    Prognosemodelle schätzen Kosten und Dauer, Bilderkennung und Sprachmodelle markieren Abweichungen und Fundstellen.

  3. 03

    Prüfung

    Projektsteuerung oder Bauüberwachung prüft die Hinweise am Original.

  4. 04

    Entscheidung

    Was geprüft ist, geht in Terminplan, Kostenstand oder Mängelliste, bei Bedarf als Vorlage an den Bauherrn.

Entlang der fünf Stufen

Wo KI in den fünf Stufen ansetzt

Jede Stufe hat eigene Daten und eigene Fragen.

  1. Idee & Machbarkeit

    Ein Prognosemodell schätzt aus den Merkmalen abgeschlossener Projekte eine Bandbreite für Dauer und Kosten. Am Karlsruher Institut für Technologie wurde das an 367 öffentlichen Bauprojekten in New York erprobt. Modell und Fachleute schätzten vor Beginn der Planung, wie lange die Projekte bis zur Fertigstellung brauchen würden. Die Abweichungen des Modells streuten weniger als die der Fachleute. Für deutsche Projekte fehlt ein vergleichbarer Nachweis.

    Ergebnis Gegenprobe zu Kostenrahmen und Terminrahmen

  2. Entwicklung & Konzeption

    Sprachmodelle durchsuchen Gutachten und Vertragsentwürfe nach Auflagen und Fristen. Jede Fundstelle wird am Originaldokument geprüft, weil Sprachmodelle auch Aussagen erfinden, die plausibel klingen.

    Ergebnis Fundstellenliste für Vertragsprüfung und Risikoregister

  3. Planungs- & Projektsteuerung

    Das Prognosemodell aus der ersten Stufe dient als Gegenprobe zu jeder weiteren Kostenermittlung und zu jedem fortgeschriebenen Terminplan. Liegt etwa die Kostenberechnung außerhalb seiner Bandbreite, werden die Annahmen beider geprüft.

    Ergebnis Gegenprobe zu Kostenschätzung, Kostenberechnung und Steuerungsterminplan

  4. Realisierung

    In der Vergabe gleichen Sprachmodelle Angebote mit dem Leistungsverzeichnis ab und markieren fehlende oder abweichende Positionen, bevor der Preisspiegel nach HOAI LPH 7 c aufgestellt wird. Während der Ausführung werden Aufnahmen der Baustelle mit einem Bauwerksmodell abgeglichen, in dem jedes Bauteil seinen geplanten Termin hat (4D-Modell). Die Kostenprognose wird mit Ist-Kosten und Abrechnungsstand fortgeschrieben.

    Ergebnis Vorgeprüfte Angebote, Fertigstellungsgrad, Warnung bei Abweichungen

  5. Übergabe & Betrieb

    Liegen Bautagebuch, Mängelregister und Abnahmeprotokolle als strukturierte Einträge vor, stellt ein Sprachmodell daraus Unterlagen und Fristen zusammen, etwa die Verjährungsfristen für Mängelansprüche.

    Ergebnis Entwurf der Übergabedokumentation und Fristenliste (HOAI LPH 8 m und o)

Effizienz

Prognosen und Prüfungen in der Steuerung

Die Verfahren setzen in den Handlungsbereichen Kosten (C), Termine (D) und Verträge (E) nach AHO Heft Nr. 9 an. Wer prüft, sieht zuerst die Stellen, die ein Verfahren markiert hat. Den Prüfumfang legt weiter der Vertrag fest.

  • Kosten und Termine

    Prognosemodelle schreiben Kosten und Bauzeit mit Ist-Daten, Verzögerungsursachen und Wetterdaten fort. Zeichnet sich ab, dass eine Kostengruppe nach DIN 276 ihr Budget überschreitet oder ein Vorgang seinen Termin, gibt das Verfahren eine Warnung aus.

  • Verträge und Nachträge

    Sprachmodelle ziehen Fristen, Vertragsstrafen und Risikoklauseln aus den Vertragsunterlagen und ordnen Protokollstellen möglichen Nachträgen zu. Technisch und wirtschaftlich prüfen Projektsteuerung oder Bauüberwachung jeden Nachtrag selbst. Rechtlich bewertet ihn die Rechtsberatung des Bauherrn, die Entscheidung trifft der Bauherr. Untersucht sind solche Verfahren bisher vor allem an internationalen Vertragsmustern, kaum an Verträgen nach VOB/B.

  • Rechnungen und Abschläge

    Texterkennung liest Rechnungen und Lieferscheine aus, ein trainiertes Verfahren ordnet sie Auftrag, Position des Leistungsverzeichnisses oder Kostengruppe zu. Abweichungen von der Auftragssumme und den bisherigen Abschlägen werden markiert. Leistungsstand, Aufmaß und Einheitspreise prüft weiter die Bauüberwachung (HOAI LPH 8 g bis i).

Bauüberwachung

Was KI auf der Baustelle erfasst

In der HOAI gehört die Bauüberwachung zur Leistungsphase 8, Objektüberwachung (Anlage 10.1). Ihre erste Grundleistung ist, die Ausführung auf Übereinstimmung mit der Genehmigung, den Verträgen mit den ausführenden Unternehmen, den Ausführungsunterlagen, den einschlägigen Vorschriften und den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu überwachen. KI-Verfahren unterstützen einzelne Grundleistungen. Auf großen Baustellen ist der Soll-Ist-Abgleich im Einsatz, Mängel- und Mengenerkennung sind im Pilotstadium.

  • Baufortschritt

    Aufnahmen aus 360-Grad-Kameras, Krankameras, Drohnen oder Laserscannern werden zu Punktwolken verrechnet, ein neuronales Netz ordnet die Punkte Bauteilen wie Wand, Decke oder Treppe zu. Der Abgleich mit dem 4D-Modell ergibt den Fertigstellungsgrad je Bauteil oder Geschoss und eine Liste der Abweichungen. Erkannt wird, ob ein Bauteil da ist, mit Laserscans auch, wie weit es von der geplanten Lage abweicht. Material, Anschlüsse und verdeckte Ausführung erfasst das Verfahren nicht (HOAI LPH 8 a und d).

  • Mängel mit Ort im Plan

    Bilderkennung markiert Risse, Kiesnester und Oberflächenfehler mit Fundstelle und Ausdehnung. Sie erfasst nur, was sichtbar ist, und auf unscharfen oder schlecht belichteten Bildern findet sie weniger. Ob ein Befund ein Mangel ist, stellt die Bauüberwachung am Vertragssoll und an den allgemein anerkannten Regeln der Technik fest, Maßabweichungen an den Toleranzen nach DIN 18202 (HOAI LPH 8 k und p).

  • Mengen und Aufmaß

    Kameras und Laserscanner erfassen Material auf der Baustelle, ein trainiertes Netz erkennt die Materialart und schätzt Volumen und Gewicht. Erprobt wurde das in einem Forschungsprojekt der RWTH Aachen von 2023 bis 2025. Abgerechnet wird weiter nach den Aufmaßregeln des Vertrags: Das gemeinsame Aufmaß ist Grundleistung der Bauüberwachung (HOAI LPH 8 f), und bei VOB-Verträgen sind die Feststellungen möglichst gemeinsam zu treffen (§ 14 Abs. 2 VOB/B). Ein bildgestütztes Aufmaß tritt nur an seine Stelle, wenn die Vertragsparteien das vereinbaren und das Ergebnis nachprüfbar ist.

  • Bauablauf dokumentieren

    Aufnahmen auf festen Routen und in festen Zeitabständen ergeben eine datierte Bildfolge des Bauablaufs. Aus diktierten Beobachtungen der Bauleitung macht ein Sprachmodell Einträge für das Bautagebuch mit Zeit, Ort, Gewerk und Beschreibung. Baulärm und Fachbegriffe verschlechtern die Spracherkennung, und weil das Bautagebuch als Beweismittel dient, gibt die Bauleitung jeden Eintrag frei. Bildfolge und Bautagebuch belegen später, wann welches Bauteil fertig war, etwa im Streit über eine Behinderung nach § 6 VOB/B (HOAI LPH 8 e).

Voraussetzungen

Was die Verfahren voraussetzen

Die Grenzen der Verfahren liegen meist bei den Daten, bei kleinen Projekten auch beim Aufwand. Vor dem Einsatz ist deshalb zu klären, ob die nötigen Daten vorliegen.

  • Ein gepflegtes 4D-Modell

    Ohne ein Bauwerksmodell, in dem jedes Bauteil mit seinem geplanten Fertigstellungstermin verknüpft ist, fehlt das Soll für den Abgleich auf der Baustelle. Jede Planänderung muss im Modell nachgeführt werden.

  • Daten abgeschlossener Projekte

    Prognosemodelle brauchen strukturierte Daten aus einer großen Zahl von Projekten. In vielen Unternehmen liegen sie verstreut in PDF-Dateien, auf Papier und in Systemen, die nicht zueinander passen.

  • Aufnahmen von echten Baustellen

    Offene Trainingsdaten aus dem Bauwesen gibt es kaum. Netze, die nur auf synthetischen Bildern ohne Verschattung gelernt haben, erkennen auf echten Aufnahmen deutlich schlechter. Gerüste, Verdeckungen und der Innenausbau erschweren die Erkennung zusätzlich.

Bei BPS

So arbeiten wir damit

Welche KI-Verfahren wir einsetzen, hängt immer vom Projekt ab. Wir nutzen sie unterstützend: Was ein Verfahren ausgibt, ob Prognose, Fundstelle oder Befund, prüft ein Mensch.

Häufige Fragen

Ersetzt KI die Bauüberwachung?

Nein. Die Verfahren liefern Hinweise, etwa fehlende Bauteile, markierte Risse oder vorerfasste Rechnungen. Bewertung, Abnahmeempfehlung und Haftung bleiben bei der Bauüberwachung nach HOAI Anlage 10.1.

Wer verantwortet, was ein KI-Verfahren ausgibt?

Wer eine Prognose, eine Fundstelle oder einen Befund übernimmt, verantwortet sie wie eine eigene Feststellung. Maßstab ist die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nach § 276 BGB. Aufgaben wie die des Bauleiters nach Landesbauordnung oder des Koordinators nach § 3 Baustellenverordnung nehmen Personen wahr und verantworten sie.

Wie belastbar sind Prognosen zu Dauer und Kosten?

So belastbar wie die Projekte, aus denen das Modell gelernt hat. Für ein Vorhaben, das keinem davon ähnelt, ist die Prognose unzuverlässig. Eine Kostenermittlung nach DIN 276 ersetzt sie nicht.

Sprechen wir über Ihr Vorhaben.

Schildern Sie uns kurz, in welcher Stufe Ihr Projekt steht und welche Fragen offen sind. Welche Verfahren dort helfen, klären wir mit Ihnen im Gespräch.

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